Home Nach oben

Wellensittiche

Home

 

wpe16.jpg (16535 Byte)   Wellensittich (Melopsittacus undulatus) wpe7.jpg (8905 Byte)

Vor 150 Jahren kamen die ersten Wellensittiche von Australien, wo sie in der Halbwüste mit Grasbestand an Flussläufen leben, nach England. In Natur gibt es nur hellgrüne mit gelber Stirn und Gesicht, aber in den heutigen Nachzüchtungen gibt es in vielen Farbvariationen, die hier aufzuzählen wäre hier allerdings zu umfangreich.

Der Welli ist ein ausgesprochen schneller und geschickter Flieger  und wahrer Kletterkünstler. Bei der Gefiederpflege macht er die reinsten akrobatischen Leistungen, denn er kann den Kopf um 180 Grad drehen. Nach jeder Mahlzeit wird das Gefieder von Nahrungsresten befreit und gereinigt, wobei jede der Federn durch den Schnabel gezogen wird.

wpe8.jpg (4180 Byte) "Maxi"&"Snoopy" wpe9.jpg (12626 Byte)

Maße, Gewicht und Geschlechtsunterschiede 

Länge: 18-24 cm; Gewicht: 30-40 Gramm; Lebenserwartung: 12-14 Jahre (bei sehr guter Pflege)  

Geschlechtsunterschiede bei dunklen Farbvariationen hat der Hahn hat eine blaue Wachshaut, bei weißen oder anderen hellen Farben auch rosa. Die Henne hingegen hat eine bräunliche Wachshaut.

Umgebung und Verhalten   wpe1.jpg (26742 Byte) 

Die Wellensittichpaare halten eng zusammen und es findet auch außerhalb der Brut und Paarungszeit eine Partnerfütterung statt. Sie leben Paarweise in Schwärmen von einigen tausend Vögeln. Das Weibchen ist die Dominantere von beiden, da der Hahn ihr gegenüber Angriffshemmungen hat. Sie brüten auch in der Voliere mit anderen Paaren gemeinsam.

1 Welli, 1 Bourkesittich und 1 Schönsittich beim Trinken:  

Als Einzelvogel schließt sich der Wellensittich gerne dem Menschen an und lernt sogar einige Worte nachzusprechen. Trotzdem ist eine Paarhaltung artgerechter und für den Vogel sinnvoller, da keine Fehlprägung z. B. auf den Menschen stattfindet. Aber auch mit anderen Vögeln versteht er sich gut (siehe Bild) 

Nahrung                    

"Bubi" und das Äpfelchen:                   

Wie in den meisten anderen Fällen nimmt der Wellensittich gerne ausgewogenes Futter zu sich, zu dem unter anderem auch Grassamen, Kolbenhirse und auch Obst und Gemüse gehört. Siehe "Ernährung".

Brut                 

Als Nistkasten sollte dem Wellensittich ein handelsüblicher Kasten in der Größe von 25cm Länge, 15cm Breite und 15cm Höhe angeboten werden. Durch das Schlupfloch wird die Henne die ganze Brutzeit vom Hahn gefüttert, deshalb muss von Außen eine Sitzstange angebracht sein. Der Welli benutz kein Nistmaterial, außer etwas Hamster- oder Katzenstreu, auf das die Eier ab gelegt werden. Der Nistkasten sollte an der Wand befestigt werden und muss Tag und Nacht für die Vögel zugänglich sein.

Nach eifrigem Vorspiel kommt es meist erst nach Tagen zur ersten Paarung, wobei das Weibchen fast waagrecht auf der Stange liegt mit dem Köpfchen weit zurück und dabei den Schwanz in die Höhe hebt. Das Männchen nimmt diese Gelegenheit zur Paarung war. Das Liebesspiel wird noch mehrere Male wiederholt.

"Bubi & Hansi" ist das schön!! Bubi-Hansi-schmusen.jpg (65269 Byte)     "Flöckchen & Hanni" WElli-schmusen.jpg (128360 Byte)

Im Abstand von zwei Tagen werden 4-6 Eier (ca. 2,7Gr. schwer) abgelegt, die sofort bebrütet werden. Die Dauer der Brut liegt bei ca. 18-26 Tagen in denen die Henne den Nistkasten nur zur Kotablage verlässt. Sie wird in dieser Zeit nur durch die Fütterung des Hahnes ernährt.

Bei Störungen am Nistkasten kann das Weibchen des Brutgeschäft einstellen, deshalb sollte man nur in den Kasten schauen, wenn die Henne nicht darin ist. In der Gesamten Zeit sollte es ruhig und gleichmäßig warm sein (16-18°C Zimmertemperatur).

Küken vom 1.-6. Tag auf diesem Bild    und etwas später: und die ersten Flugversuche:


 

 


Mit freundlicher Genehmigung des Autos möchten auch wir auf dieses Thema hinweisen!!

Nicht Art gerechte Haltung und Überzüchtungen von Wellensittichen

 von Jörg Schmidt

Die munteren, quietschfidelen kleinen Papageien sind schon seit vielen Jahrzehnten bei uns Menschen daheim und be- und geliebte Hausgenossen.

Bereits im Jahre 1840 begann die Haltung und damit die Domestikation des Wellensittichs in Europa. In Deutschland wurden die ersten Wellensittiche 1855  von der Gräfin von Schwerin in Berlin gezüchtet. Heute befinden sich nach Schätzungen rund 10 Mio. domestizierte Exemplare im deutschsprachigen  Raum (Deutschland, Österreich und die Schweiz) in Menschenobhut.

Mit dem Beginn der Haltung und Züchtung in Menschenhand begann für den kleinen Sittich aber auch ein langer Leidensweg unterschiedlicher Art und Ausprägung.

Als Erstes ist dabei die nicht Art gerechte Haltung des Wellensittichs als Einzelvogel in einem viel zu kleinen Vogelbauer zu nennen, die sich von den Anfängen bis heute noch immer wie ein roter Faden durchzieht.  Was vor über hundert Jahren und bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts hinein noch als fehlende Sensibilität gegenüber den Bedürfnissen der Tiere und pure Unwissenheit zu entschuldigen ist, muss man nach heutigen Maßstäben, wo sich jeder Tierfreund über Bücher, das Internet und andere Medien umfassend informieren kann, als pure Ignoranz zu bezeichnen. 

 § 2 TschG: „Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat,

1.      muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen,

2.      darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden ...“

 Als nächster, und m. E. viel maßgeblicher zu nennender Punkt, ist die „Überzüchtung von Wellensittichen“, zum Beispiel bei Schau- oder so genannten  Standard-Wellensittichen.

Zunächst einmal, was sagt das Tierschutzgesetz grundsätzlich:

§ 11b TschG: „Es ist verboten, Wirbeltiere zu züchten oder durch bio- oder gentechnische Maßnahmen zu verändern, wenn damit gerechnet werden muss, dass bei der Nachzucht, den bio- oder gentechnisch veränderten Tiere selbst  oder deren Nachkommen erblich bedingt Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen oder untauglich oder umgestaltet sind und hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten.“

Der Schau- oder Standard-Wellensittich wird für so genannte  Schauwettbewerbe und Ausstellungen gezogen. Dabei haben sich die Wünsche, Ziele und Vorstellungen, wie ein Wellensittich auszusehen hat, so weit von der eigentlichen Wildform, einem „drahtigen“, schlanken Wildvogel, entfernt, dass er fast als eigene, ganz andere Vogelart bezeichnet werden muss. Dieser Schau- oder Standard-Wellensittich wird  nach einem eigens vom Menschen aufgestellten Standard zu beträchtlicher Übergröße hin geformt, mit hoher breiter Stirn und kompaktem, besser gesagt, plumpen Äußeren. Dabei hat er zum Teil seine sprichwörtliche Fruchtbarkeit und nicht selten sein Flugkönnen eingebüßt, aber auch seine Lebenserwartung wurde in erheblichem Maße gekürzt. Er ist in seiner plumpen und klobigen Art zu einem reinen „Menschenprodukt“ geworden, das für diverse Züchter nur noch zur Befriedigung des menschlichen Egos dient, vielleicht einmal ein sog. Landes-, Bundes- oder gar Europa-Champion zu werden.

Neben dem Streben nach noch mehr körperlicher Größe und vor allem Farbenpracht steht auch das züchterische Interesse, die  Federlänge- und Struktur immer weiter zu verändern. Diesbezüglich wurden in den Kreisen der Profizüchter zwei Begriffe geprägt, deren Merkmale neben der Farbe künftig wesentlicher Zuchtmaßstab für das Gesamtaussehen des Standard-Wellensittichs sein soll. Und zwar für das dichtere vollere Gefieder, der Begriff des „buff“ (dt. = lederfarben) und für das kürzere straffere Gefieder der des „yellow“ (dt. = gelb).

Doch plötzlich ist den motivierten Züchtern nach jahre- und jahrzehntelanger Hochzüchtung dieser Wellensittiche auf die oben genannte Qualität ein zusätzliches Problem erwachsen, welches bis heute wissenschaftlich noch nicht genau ergründbar ist, nämlich die Entstehung des so genannten „Featherduster“. Featherduster bedeutet im Deutschen „Staubwedel“ oder „Federputzer“. Es sind Wellensittiche, deren Federn so überlang sind, dass sie vom Aussehen her an die früher weithin benutzten Staubwedel erinnern. Über die tatsächliche Art und Weise, wie diese Form entsteht, gibt es verschiedene Meinungen. Die eine Meinung geht davon aus, dass es sich bei diesen um das Resultat zu vieler Verpaarungen langfiedriger  Wellensittiche, also „Buff“-Vögel handelt, um noch größer und fülliger wirkende Schauvögel zu produzieren. Die andere Seite jedoch geht davon aus, dass es sich dabei um einen rezessiven Faktor handelt, einem Fehler im Gehirn, der das übermäßige Federwachstum auslöst. Außerdem wird noch davon gesprochen, dass es sich um ein zusätzliches Chromosom (Trisomie) wie beim Down-Syndrom des Menschen handelt.  Daraus folgt, dass nicht nur „Buff“-Vögel, sondern auch „Yellow“-Vögel den „Federputzer“ hervorbringen können.

Vom tierschützerischen Gedanken her, spielt das Wie, Warum und Wieso keine erhebliche Rolle. Fest steht vielmehr, dass das Auftreten dieser Mutationen wieder einmal ein erkennbares Signal dafür ist, wie schädlich doch das stete und gewaltsame Eindringen des Menschen in den natürlichen Ablauf des Lebens ist. Es gilt nun alle echten Wellensittich-Freunde dahingehend aufzurütteln, engagiert mitzuhelfen, die Bevölkerung auf den von den Standard-Wellensittich-Züchtern falsch eingeschlagenen Weg, aufmerksam zu machen und darauf  hinzuarbeiten, in Zukunft solche bedauernswerte Kreaturen bei der pokalträchtigen Standardzucht verhindern zu können.

Kontakt: Jörg Schmidt, Bachstraße 19, 75417 Mühlacker-Enzberg, Email: JEnzberg@aol.com


Zusatz vom Vogelasyl zu diesem Thema:

Sicherlich gibt es zu diesem Thema einige Meinungen. Fakt ist jedoch, dass bei körperlicher oder gesundheitlichen Veränderungen der Züchterspaß aufhören sollte. Damit meinen ich, das Veränderungen der inneren Organe oder Beeinträchtigung des körperlichen Wohlbefindens nicht durch "Schönheit" beeinflusst werden darf. Hierbei ist der Begriff "Schönheit" auch klar aus dem Auge des Betrachters zu sehen!!

Flugunfähige und fast schon bewegungsunfähige Wellis sollten nicht unser Ziel sein!

Als kleine Anmerkung bleibt noch zu erwähnen, dass der Schau- oder auch Standartwellensittich häufig zu einem Lipom neigt und die Lebenserwartung im Vergleich zum "Hansi-Bubi´s" sich um einige Jahre verkürzt.

naturfarbener "Hansi-Bubi":     wahrscheinlich mit Schauwellensittich gekreuzter Welli:

Der Unterscheid ist offensichtlich!

Bild links: sehr schlank (Lebenserwartung ca.12-15 Jahre bei sehr guter Pflege)

Bild rechts: sehr kräftig mit fast schon bulligem Kopf (Lebenserwartung ca.5-6 Jahre bei ebenso guter Pflege)

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an: michaela.geschke@vogelasyl.de 
Copyright © 2007 Vogelasyl - Private Vogelauffangstation
Stand: 16. Februar 2009