Geschlechtsbestimmung, aber wie?

Viele Vogelhalter stellen sich die Frage wie das mit der Geschlechtsbestimmung eigentlich geht. Grundsätzlich sollte es uns egal sein, ob sich gleichgeschlechtliches Paar zusammenschließen, aber wenn es Nachwuchs geben solle, kann dies in dieser Kombination natürlich nicht funktionieren. Für die Familiengründung benötigt man natürlich „Männleine“ und Weiblein“ bzw. Hahn und Henne.

Aber um diesen „gewissen Unterschied“ (außer an besonderen Verhalten) genau feststellen zu können ist es gar nicht so einfach. Bei vielen Vögeln gibt es nicht diese einfache Unterscheidung wie beim Wellensittich (der Hahn hat eine blaue Wachshaut/Nasenhaut oder eine braune oder rosa Wachshaut beim Weibchen), bei Edelpapagei an der Gefiederfarbe oder beim Kakadu an den Augenringen, sondern verlangt vom Züchter/Besitzer eine lange Wartezeit (bis sich das Geschlecht auf natürlichen Wege zeigt) oder die Feststellung wird durch eine Geschlechtsbestimmung beschleunigt. Dies funktioniert in verschiedenen Methoden.

Die Endoskopie:

Seit ca. 20 Jahren wird diese Art der Geschlechtsbestimmung eingesetzt. Es handelt sich um eine „sanfte Operationstechnik“, bei der das Geschlecht bei nicht ganz zu jungen Papageien (ab dem 5. Lebensmonat, damit die Geschlechtsorgane bereits ausgeprägt sind) bestimmt werden kann. 

Besonders in der Brutsaison ist die Unterscheidung zwischen Hahn und Henne deutlicher als sonst, weil die Hoden durch die stärkere Durchblutung deutlicher zu erkennen sind.

Vor der Endoskopie ist darauf zu achten, dass der Vogel,  je nach Größe zwischen 1 und 3 Stunden fastet, damit bei der OP keine Erstickungsgefahr durch hochwürgendes Futter entsteht. Auch die richtige Menge des Narkosemittels (Berechnung erfolgt nach Körpergewicht; Überdosierung kann tödlich sein!) ist sehr wichtig.

Dann werden sorgfältig an der künftigen Schnittstelle die Federn entfernt und die Haut desinfiziert und ein ca. 3mm langer Schnitt gemacht. Dort wird das Endoskop (ein chirurgisches Instrument, 2-3mm Durchmesser, 180-200mm lang, aus flexiblem Glasfaserschlauch/Sonde der mit einer 150 Watt starken Lichtquelle und einem optischen Gerät verbunden ist) sorgfältig eingeführt. Der verbleibende Operationsschnitt muss wegen der geringen Größe nicht genäht werden, der Vogel sollte aber für ca. 12 Stunden ruhiggehalten werden und verheilt so  innerhalb ein paar Tage.

Beim Erwachen (ca. 30-45 Min. nach der Narkotisierung) sollte der Vogel nicht alleine gelassen werden, weil er sich sonst durch das Schlagen der Flügel verletzten sollte. Ein weich gepolsterter Käfig ohne Sitzstangen sollte zum Transport bereit stehen.

Die Endoskopie ist eine fast sichere Beurteilung der Geschlechtsorgane, sowie der Leber, Niere, Milz und Luftsäcke, die bei dieser Untersuchung mit Kontrolliert werden können. Trotz allem wählen viele der heutigen Züchter die DNA-Analyse.

Die DNA-Analyse...

... ist eine der anderen Verfahrensweisen der Geschlechtsbestimmungen und basiert auf die Analyse des Erbmaterial und kann schon im Nestlingsalter durchgeführt werden, ohne dass das Tier narkotisiert werden muss. Diese Art der Geschlechtsbestimmung wird besonders für seltene und wertvolle Vögel empfohlen.

Das DNA-Material kann eine frisch ausgefallene oder ausgezogene Schwung- oder Schwanzfeder sein oder ein Tropfen Blut, welches für einen PCR-Test (Polymerase-Kettenreaktion) benötigt wird. Um alles ganz genau verstehen zu können müssten wir hier unser Wissen in Genetik (Vererbungslehre) vertiefen, diese sollten wir an dieser Stelle jedoch unterlassen und uns den leicht verständlichen Sachen widmen.

Die Analyse kann also mit Blut, wie auch mit frischen Federn vorgenommen werden. Das Blut kann aus der Flügelvene oder auch aus der Krallenspitze entnommen werden. Es werden 2-3 Tropfen Vollblut (EDTA-Heparin- oder Citratblut) benötigt.  Die Geschlechtsbestimmung über das Blut ist so zeitaufwendig wie die Erbgutgewinnung aus der Federprobe, sodass man nach 1-2 Tagen mit einem Ergebnis rechnen kann.  Bei der Federprobe werden 1-2 frisch ausgefallene oder ausgezogene Schwung- oder Schwanzfeder oder 3-4 Federn aus dem Brustgefieder benötigt (der Federkiel darf nicht zerkaut oder anderweitig zerstört sein).  Die Federn sollten i Alufolie oder eine Plastiktüte verpackt ans Labor geschickt werden. Aus der Verpackung sollte Ringnummer, Vogelart, sowie Name und Anschrift des Halters  vermerkt sein. Im allgemeinen kosten diese Untersuchungen zwischen 25 und 30€.

Die Blutuntersuchung:

Die Kot- und/oder  Blutuntersuchung basiert auf die Feststellung hormoneller Ausschüttung der Geschlechtsorgane.  Diese Art der Geschlechtsbestimmung ist nur bei Geschlechtsreifen Vögeln möglich und ist obendrein nicht besonders sicher, denn bei zu jungen oder sexuell inaktiven Vögeln ist die Untersuchung nicht brauchbar, weil die Sexualhormone in zu geringer Menge ausgeschüttet werden. Die Geschlechtshormone sind beim männlichen Tier die vermehrte Ausschüttung von Testosteron, beim weiblichen Tier jedoch vermehrt Östrogen.